Einfach fragen!

7. Oktober 2011

Bei minimal komplexeren Beratungsgesuchen in Bibliotheken (ähnliches gilt für Archive oder auch am Service-Point der Bahn) mache ich immer wieder die Erfahrung, dass es besser wäre, eine Frage nach der anderen zu stellen, auch wenn man auf die ersten zehn die Antwort schon kennt. Die Sache beschleunigen zu wollen, bringt gegenteilige Ergebnisse; eigenständig recherchiertes Wissen bereits in die Frage einzubauen führt nur zu Komplikationen! Hier eine typische Situation, einmal falsch (so versuche ich es immer wieder) und einmal richtig (so mache ich es nie).

Falsch:

(an der Lesesaaltheke, nach etwa fünf Minuten Einsamkeit, weil der zuständige Bibliothekar gemütlich zwei sichtlich ahnungslose Damen an Mikroform-Lesegeräten beraten musste)

PH: “Guten Tag, es müssten hier zwei bestellte Bücher für mich liegen, die zunächst im Lesesaal gelandet sind, weil mein Konto gesperrt war. Ich habe nun alle Mahnungen zurückgegeben und würde die Bücher gern ausleihen.”

(Bibliothekar holt die Bücher und gibt sie mir unverbucht in die Hand)

PH: “Nein, ich würde sie gern ausleihen.” (still, bei sich selbst) “…wie ich ja gerade erklärt habe.”

Bibl: “Achso. Ja, das dauert länger, da muss ich vorher nochwas anderes machen.”

(macht was anderes)

“So, dann muss ich mal in Ihr Konto schauen. … Hmmm … Aha …

(schaut in den Computer und auf den Ausdruck meines Kontos, der bei den Büchern liegt, mit der Notiz, mir die Bücher erst auszuleihen, wenn ich alle Mahnungen zurückgegeben habe)

“Achso, ja, sie müssten dann zuerst alle Bücher zurückgeben!”

PH: “Die habe ich längst alle verlängert” (still, bei sich selbst) “…und Ihnen auch gleich am Anfang mitgeteilt.”

Richtig:

(am Mikrofiche-Lesegerät)

PH: “Guten Tag, sind Sie für die Lesesaal-Auskunft zuständig?”

Bibliothekar (stolz): “Ja, einen Moment bitte.”

(nach einem Moment, an der Lesesaal-Theke)

“Was kann ich für Sie tun?”

PH (unsicher): “Ich habe da mal eine Frage.”

Bibl (hilfsbereit): “Ja?”

PH: “Ich habe Bücher bestellt.”

Bibl: “Diese hier? Bitteschön.”

PH (unterwürfig): “Darf ich die ausleihen?”

Bibl: “Nein, die dürfen Sie nur im Lesesaal anschauen.”

PH: “Oh, schade.”

Bibl: “Moment, hier ist ein Zettel. (liest)

Also, Ihr Konto war überzogen…

PH (verschämt): “Ja…”

Bibl: “Sie müssten zuerst alle anderen Bücher zurückgeben.

PH (hoffnungsvoll): “Ich habe neulich alle verlängert.”

Bibl: “Das muss ich prüfen.”

PH: “Natürlich.”

(wird geprüft)

Bibl: “Ja, Ihr Konto ist entlastet, ich muss nun mit Ihnen zur Ausleihe gehen.”

PH: “Natürlich. Vielen Dank.”

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Ein Kommentar zu Einfach fragen!

  1. Julian on 7. Oktober 2011 at 21:14

    Guten Tag,
    Kritiker sagen ja, wenn man sein Konto nicht überzieht (z. B. weil man Medien immer rechtzeitig verlängert oder noch besser, weil man nicht ausleiht sondern ausleihen lässt), dann wäre das ganze G’lump gar nicht notwendig.

    Kritiker halt.

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