Belgien, am Rande bemerkt

18. November 2007

Die Brüsseler Korrespondenten der internationalen Presse haben zur Zeit viel zu tun. Ausnahmsweise berichten sie nicht über die EU – ohne deren Institutionen es wohl die meisten Korrespondenten in Belgien gar nicht gäbe – sondern über das Land, in dem sie sich aufhalten. Langsam merkt die deutsche Presse (die französische ist schon allein sprachlich etwas stärker involviert und berichtet häufiger), dass in Belgien einiges durcheinander läuft. Sogar tagesschau.de berichtet an erster Stelle über die Demonstration zur Einheit Belgiens (und hat inzwischen sogar auch in der Überschrift ihren peinlichen Tippfehler korrigiert und schreibt “Walone” nun mit Doppel-l).
Es ist eine schöne Sonntagsmeldung: Eine Beamtin aus Lüttich, ohne politische Organisation hinter sich, initiiert eine Petition und eine große Demonstration für die Einheit Belgiens. Statt der flämischen und der wallonischen wird die schwarz-rot-goldene belgische Fahne geschwungen. Nur am Rande demonstrieren die flämischen Separatisten und werden diskret entfernt. Auch nur am Rande allerdings wird bemerkt (wenn überhaupt), dass auf dieser von einer Wallonin organisierten Demonstration im überwiegend französischsprachigen Brüssel zum ganz großen Teil Wallonen auf der Straße sind. Blumig schreibt liberation.fr von der flämischen Lerche gegenüber einem wallonischen Pferd und spielt an auf die in Frankreich sprichwörtliche Lerchenpastete, pâté d’alouette: Man vermische ein ganzes Pferd und eine ganze Lerche und nenne dies dann “Lerchenpastete”.
Ebenfalls nur am Rande bemerkt sei eine Online-Umfrage des flämischen Standaard: “Ist der Marsch für die Einheit Belgiens eine gute Initiative?” Es ist nur eine Internetumfrage. Nicht auszuschließen, dass sie von flämischen Nationalisten gestürmt wurde. Nicht auszuschließen aber auch, dass sie die Meinung des durchschnittlichen flämischen Lesers wiedergibt: “Nein”, sagen 70% von über 1000 Abstimmenden.
Belgien, was ist das, wie funktioniert das? Lesen Sie unser großes Interview zu dem kleinen Land nebenan: Leven in Leuven.

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