Politische Mauer durch Paris

18. April 2008

So richtig still ist es auf den großen Pariser Boulevards, wenn eine Demonstration den Verkehr verbannt. NatĂŒrlich nicht mitten im GetĂŒmmel, aber rundherum, dort wo die manif noch nicht angekommen ist, die Autos aber schon von der Verkehrspolizei abgewimmelt werden. Traditionell finden Demonstrationen aller Art in Paris zum einen stĂ€ndig, zum anderen meist in denselben Bezirken statt. Das ist insofern bemerkenswert, als dass dieses klassische Dreieck der großen BĂŒrgerbewegungen (zwischen den PlĂ€tzen Bastille-RĂ©publique-Nation) fern aller Machtsymbole der französischen Hauptstadt liegt. Klar, es sind eher die nicht so bĂŒrgerlichen Stadtviertel, die quartiers populaires, in denen sich diese Protestkultur von den ersten BarrikadenkĂ€mpfen bis zur heutigen gewerkschaftlich organisierten Massenkundgebung entwickelt hat. Doch scheint dies eine heute nicht unwillkommene Aufteilung zu sein: Unbehelligt vom kreischenden Pöbel können im Regierungsviertel die umstrittenen Entscheidungen gefĂ€llt werden. NatĂŒrlich gibt es auch auf dem anderen Seine-Ufer, der rive gauche, hin und wieder Protestkundgebungen, insbesondere von Studenten im Quartier Latin. Selten aber, dass eine Demo in Hörweite der RegierungsgebĂ€ude dringt. Die inoffizielle Bannmeile wirkt.
Nicht nur die Machtzentren, insbesondere die Glitzerviertel im Westen der Stadt, zwischen Louvre, Champs-ElysĂ©es und Eiffelturm, bleiben von unschönen Bildern zwischen Protest und Polizei verschont. Beispielhaft war das Bild nach der Wahl von Sarkozy, im Mai 2007. WĂ€hrend sich am Place de la Concorde, um die Ecke vom ÉlysĂ©e-Palast im schicken Westen der Stadt die AnhĂ€nger der konservativen Wahlsieger zu einem großen “Volksfest” trafen, vom Wahlsieger organisiertes Großkonzert inklusive, protestierten rund um den Ort der 1789 gestĂŒrmten Bastille die Sarkozy-Gegner mit verbaler Wut und einige auch mit physischer Gewalt (siehe Fotos). Die Übertragungswagen und KameramĂ€nner der internationalen Medien sind hier nicht aufgetaucht.
Die politische Karte der Hauptstadt zeigt im Übrigen, dass diese Aufteilung der politischen und der “Macht der Straße” mit den klassischen rechts-links-Lagern der WĂ€hler ĂŒbereinstimmt (siehe unten). Die grĂŒnen Flecken rechts und links sind ĂŒbrigens nicht etwa Siedlungen von Öko-WĂ€hlern, sondern die unbewohnten StadtwĂ€lder.

Karte der Pariser Arrondissements, Wahlsieger der Kommunalwahl 2008 (blau: Konservative UMP/diverse Rechte; rosa: Sozialistische Partei und BĂŒndnispartner)

grĂŒn – B=Place de la Bastille, N=Place de la Nation, R=Place de la RĂ©publique; dunkelrot – A=Außenministerium, B=Bildungsministerium, É=ÉlysĂ©e-Palast (StaatsprĂ€sident), I=Innenministerium, M=Matignon-Palast (Premierminister), P1=Erste Parlamentskammer (National-Versammlung), P2=Zweite Parlamentskammer (Senat), S=Sozial- und Arbeits-Ministerium; gelb – C=Avenue des Champs-ÉlysĂ©es.

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4 Kommentare zu Politische Mauer durch Paris

  1. _yjv on 28. April 2008 at 20:34

    “am Place de la Concorde”: Offenbar hast du die Artikel-Konvention gewechselt. Na dann weiter munter drauflos!

  2. PH on 29. April 2008 at 19:56

    Pedant!

  3. _yjv on 29. April 2008 at 22:02

    …. immerhin hast du es nicht im Nachhinein klammheimlich geĂ€ndert.

  4. PH on 29. April 2008 at 22:18

    Nein. Ich erinnere mich schließlich noch gut an Deine einstige Beschwerde, Spiegel-Online verĂ€ndere unauffĂ€llig seine Artikel, statt erkennbar neue Versionen zu veröffentlichen. Erst neulich habe ich dazu ĂŒbrigens beigetragen, als sie einen konservativen französischen Politiker gleich den Sozialisten zugeordnet haben, nur weil er Sarkozy-kritisch ist. Mein entsprechender Leserbrief wurde zwar nie beantwortet, aber nach 5 Minuten stand die richtige Partei im Artikel.

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