Indizien für’s Älterwerden (VII)

11. Juni 2008

Administrativ und finanziell gesehen ist der 26. Geburtstag alles andere als ein Feiertag. Und er wirft schon rechtzeitig zuvor seine Schatten voraus. Ausschluss aus der Familienversicherung, Schluss mit Kindergeld – keine Chance, sich länger der eigenen Verantwortung zu entziehen. So langsam, lautet die implizite Botschaft, sollte man mit der Ausbildung fertig sein. Ich darf zur Ehrenrettung anfügen, dass es als deutscher Mann, als Ende August geborenes „Kann-Kind“ mit sieben Jahren eingeschult, in einem Bundesland mit damals noch dreizehn Schuljahren, mit zehnmonatigem Zivildienst, gar nicht so schwierig ist, dieses Alter noch in der Regelstudienzeit zu erreichen – immer wieder zum Erstaunen von 23jährigen französischen Doktoranden.

Vor der bösen Altersgrenze beschränkte sich der Kontakt mit der Krankenkasse darauf, gelegentlich eine Studienbescheinigung hinzuschicken (und einst, vor der Europäischen Gesundheitskarte, Auslandskrankenscheine zu beantragen). Weil die Familienversicherung inzwischen nicht mehr mit 26 endet, sondern mit dem 25. Geburtstag zuzüglich der Dauer des geleisteten Dienstes, kam also schon jetzt per Post das Antragsformular „für freiwillig Versicherte und Studenten“, alles wichtige ist bereits vorausgefüllt – bevor ich es selbst weiß, ist man sich dort schon sicher: „Ja, ich möchte Mitglied werden ab 24.6.2008“ – nicht einmal zum nächsten Monatsanfang wird gerundet.

Besonders auffällig wird das altersbedingte Ende der Privilegien übrigens in Frankreich: Hier gibt es für Museen und Theater oft keinen Studenten-, sondern einen Jugendlichen-Rabatt. Das Codewort zum billigen Eintritt geht einem schnell flüssig von der Zunge: „Moindevinsixans“ (moins de vingt-six ans – unter 26 Jahren); es wird zu einer fast so untrennbaren Wortgruppe, wie das, was wohl so mancher meines Jahrgangs die ersten sechzehn Lebensjahre in jeder Nachrichtensendung nur als unveränderliche Einheit gekannt hat: „Bundeskanzelmtkohl“. Auch bei Bahnfahrkarten kennt die französische Staatsbahn SNCF die schöne Kategorie „12-25 ans“. Rabatt gibt es hier erst wieder mit „60 et +“. Bis dahin allen Gleichaltrigen Mitte zwanzig noch einen schönen Lebensabend!

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Ein Kommentar zu Indizien für’s Älterwerden (VII)

  1. konrad on 9. Juli 2008 at 01:42

    OhMENNNOOO!! Erinner mich bloss nicht dran…!
    kg

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