Allons enfants…

18. August 2008

Trotz des Krieges in Georgien und der Spielereien in Peking schaffen es in Frankreich in diesem innenpolitischen Sommerloch vor allem Kinder an die Spitze der Nachrichten. Viele tragische Einzelfälle, in dieser Konzentration aber wohl eher ein mediales als ein soziales Phänomen. Es fängt an mit einem im Auto “vergessenen” Kind, der Vater sei als Unfallzeuge abgelenkt gewesen, das Kind ist im Auto in der glühenden Hitze verstorben. Wenige Tage später ein ganz ähnlicher Fall, seitdem alle paar Tage eine Nachricht von in letzter Minute aus Autos geretteten Kindern, dramatische Heldengeschichten von Passanten, die auf Supermarktparkplätzen Autoscheiben zerschlagen. In Marseille wird ein etwa zweieinhalb jähriger Junge verlassen in einer Wohnsiedlung aufgegriffen, selbst kann er noch nicht erklären, wer er ist, fast zwei Wochen lang meldet sich niemand bei der Polizei. Schließlich heißt es, die Mutter habe das Kind einer Freundin “anvertraut”, um zur Beerdigung eines Verwandten nach Algerien zu reisen.
Dann, sicher eine der ungewöhnlichsten Hauptnachrichten-Meldungen – und ein Indiz für die Überreaktion der Justiz: Ein fünfjähriger Junge, “abandonné” im Jardin du Luxembourg mitten in Paris, mit einem Roller und einem Handy versehen. Der Vater, geschieden, musste arbeiten; er wird in Gewahrsam genommen. Am dramatischsten – und juristisch fragwürdigsten – sicher die folgende Episode, an der gleich drei Kinder beteiligt sind. Zwei 12- und 13-jährige Cousins machen im Süden Korsikas, was Kinder machen: Blödsinn, deren Gefahr sie nicht einschätzen können. Von einem erhöhten Weg werfen sie Steine auf unten vorbeigehende Passanten, einer trifft ein Baby am Kopf – ein tragischer, tödlicher Unfall. Die französische Justiz aber, immer auf der Jagd nach jugendlichen “Gewalttätern”, nimmt die beiden Jungs in U-Haft, seit zwei Wochen nun schon. Dabei lag dort doch wohl besondere Flucht- und Verdunkelungsgefahr oder gefährliche kriminelle Energie nicht vor, sollte man meinen. Zwischen vergesslichen Eltern und kleinen Kriminellen sorgt die Natur für weitere tragische Schlagzeilen: In einem Zeltlager in der Nähe von Bourges wird im Gewittersturm ein Kind vom Baum erschlagen. Eine schöne Geschichte schließlich aus der Drôme, ein zweijähriger Junge wird 30h vermisst und dann ein paar hundert Meter vom Ferienhaus der Eltern schlafend im Gebüsch gefunden. Sein süßes Gesicht mit ein paar Kratzern und das passende Zitat der Mutter (“super in Form”) macht ihn am nächsten Tag zu Frankreichs Sommerhelden.

Tags: ,

Comments are closed.

Neue Fotos

Beliebt