Die Waden gewickelt, in einer Grippe liegend

10. Januar 2009

Böse Zungen behaupten, Weihnachten sei eine Erfindung des Einzelhandels zur Konjunkturbelebung. Das ist natürlich Quatsch. In Wirklichkeit geht die weihnachtliche Tradition auf das massive Betreiben der Ärzte- und Pharmalobby zurück. Mit der sogenannten “festlichen Stimmung” wird seither begründet, dass zumindest bedingt rational denkende Menschen alles dafür tun, Wartezimmer und Medikamentenkassen zu füllen:
Ab September, stetig zunehmend und anhaltend bis Jahresende (anschließend: preisreduziert!), wird die Ernährung schrittweise auf vitaminlosen Schleckerkram umgestellt. Ab Ende November wird dann flächendeckend mit der durchaus nicht naturgemäß naheliegenden Lieblingsbeschäftigung begonnen, auf Weihnachtsmärkten mit nassen Füßen im Schneematsch zu stehen und dabei dichtgedrängt in Glühwein und auf Zuckerwatte abzuhusten. Alle weitere körperliche Ertüchtigung kommt weitgehend zum Erliegen. In überfüllten Zügen wird traditionell ab etwa 20. Dezember die Vermischung bislang geographisch getrennter Virenstämme vorangetrieben. Wer trotz alledem Heiligabend noch gesund ist, dem werden spätestens in der spärlich beheizten und, dieses eine Mal, voll besetzten Kirche beim “O du fröhliche” aus vielen Kehlen die Erreger entgegengejauchzt. Dazu kommt an den kommenden Feiertagen die versammelte Verwandtschaft, Superresistenzen aus dem Altersheim inklusive. Silvester schließlich werden im Fondue-Topf feierlich alle bisher gezüchteten Keime vereinigt und ausgetauscht, bevor mit übermäßigem Sektgenuss die rudimentären Reste des Immunsystems endgültig weggespült sind. Schlag 12 Uhr wird dann fieberhaft geknuddelt und gebusselt, mit den besten Wünschen und – wenn das nicht zynisch ist – “vor allem Gesundheit”.

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2 Kommentare zu Die Waden gewickelt, in einer Grippe liegend

  1. Burkart on 3. April 2009 at 07:55

    Haste mal wieder schön gemacht, Philipp ;-)

  2. Russischer Winter | www.berichtenswert.de on 9. Dezember 2011 at 17:21

    [...] der Republik lauert nun wieder die Stände-Herrschaft, dabei wissen wir doch, wohin das führt: Die Waden gewickelt, in einer Grippe liegend. [...]

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