Neue Studie zu ministerialen Geistesblitzen

24. Februar 2009

Vor knapp einem Jahr berichteten wir über die plötzliche Erkenntnis von Arbeitsminister Olaf Scholz, dass es viele unbezahlte Praktikanten gebe und diese gelegentlich gar als Ersatz für normale Arbeitskräfte ausgenutzt werden. Nun zeigt sich: Scholz ist nicht der einzige Minister, der seine Geistesblitze aus den überraschenden Ergebnissen eines Forschungsinstitutes empfängt.

Kürzlich verkündete Bildungsministerin Annette Schavan, an Stelle ausgebildeter Lehrer ruhig auch mal Manager und Ingenieure in die Schulen zu schicken. Hintergrund: Eine Studie habe ergeben, dass Lehrer oft nicht die hellsten seien – pardon: sich die besten Abiturienten selten für ein Lehramtsstudium entscheiden. Wer für diese Erkenntnis ein Forschungsinstitut braucht, hat offenbar nie ein geistes- oder naturwissenschaftliches Proseminar besucht – denn nicht vergessen: jeder Lehrer war zuvor Lehramtsstudent.

Andere Ministerien suchen nun auch nach neuen Wegen, Aufmerksamkeit zu erlangen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier machte auf eine neue OECD-Studie aufmerksam, nach der in 2009 Israel und Afghanistan im Vergleich zu Schweden und Luxembourg zu “eher unsicheren Reisezielen” erklärt wurden. Das Auswärtige Amt teilte mit, seine entsprechenden Reisewarnungen umgehend an diese neuen Einschätzungen anzupassen.

Das Verteidigungsministerium zitierte eine CIA-Studie, nach der 98% aller weltweit operierenden Terroristen potenziell gewalttätig seien. Bei einigen könne ein islamistischer Hintergrund nicht ausgeschlossen werden. Ressortchef Franz Josef Jung zeigte sich schockiert und kündigte effizientere Methoden der Soldatenausbildung (“Coesfelder Modell”) an.

Der neue Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wies auf eine Berechnung der sogenannten “Wirtschaftsweisen” hin, nach der das Vertrauen in Kreditinstitute in 2009 um weitere 26% fallen könnte. Offenbar, verlautete aus Fachkreisen, habe es im Bankbereich in letzter Zeit einige kleinere Unregelmäßigkeiten gegeben. Guttenberg forderte umgehend eine vereinheitlichte universitäre Ausbildung für Spekulanten und im Zuge dessen eine Anhebung des Bafög-Höchstsatzes auf 14 Mio. Euro pro Semester.

Die Forschungsgruppe Wahlen führt unterdessen eine aktuelle Studie zu der Frage durch, ob Kanzlerkandidaten mit doppelten Vornamen auf Wähler abschreckend wirken. Die SPD ließ bereits vorab mitteilen, die Ergebnisse hätten für sie absolut keine Bedeutung.

Tags: , ,

Comments are closed.

Neue Fotos

Beliebt