Dies ist kein Kunst-Blog

9. Oktober 2012

“Am Sonntag beschmierte ein Kunst-Blogger in der Londoner Tate Modern Mark Rothkos Gemälde ‘Black on Maroon’ mit einem Filzstift”, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Vor diesem Hintergrund weise ich ausdrücklich darauf hin, dass ich mich zum fraglichen Zeitpunkt nicht in London aufgehalten habe.

Langjährige Leser werden sich zweifellos an den am heftigsten umstrittenen Beitrag in der Geschichte von berichtenswert.de erinnern. Nach einem provokant illustrierten Text über eine Rothko-Versteigerung zu wahnwitzigen Preisen brach über den vermeintlich banausigen Autor dieser Seiten ein Sturm der Entrüstung herein.

Anlässlich der Londoner Rothko-Entweihung habe ich die seinerzeit mit bewusster Naivität platzierte Provokation sowie die teils mitleidigen, teils lehrmeisterhaften Kommentare aus den Tiefen berichtenswerter Archive hervorgeholt und ins neue Layout der Seite übertragen – zu lesen mit der gebotenen historischen Distanz, versteht sich: “Moderner Schund” (Mai 2007).

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Ein Kommentar zu Dies ist kein Kunst-Blog

  1. jw on 16. Oktober 2012 at 10:58

    Wehrter P.H.

    mag es Altersmilde sein oder der einsetzende Konservatismus (man hört ja, dass man dumm wäre, wenn man nicht mit zunehmenden Alter konservativer würde), aber ich kann zunehmend den weiland von dir verlinkten SZ-Artikel verstehen (http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/386853).

    Selbst vom wütenden Mob schon einmal fast wegen Kritik an einer allzu dadaistischen Opernaufführung im Freiburger Theater gelyncht worden, habe ich mittlerweile eine gewisse Sympathie für Moderne-Kunstkritiker, auch wenn ich die Schärfe ihrer Aussagen wohl noch immer nicht teile.

    Was ist also Kunst? Noch immer schwierig zu beantworten. Ist es das was ästhetisch schön ist, das was handwerklich (artisanal, trifft es, falsch mein französisch nicht völlig eingerostet ist noch besser) gut ist? Ist es das, wovon der Künstler sagt, dass es Kunst ist, wird es erst durch die Rezeption (den Gefallen anderer und die damit verbundene preisliche Wertschätzung zur Kunst?) Oder muss gar ein Kunstpapst, so eine Art Reich-Ranicki für Bildende Kunst ein offizielles “Das-ist-Kunst-Siegel” verleihen? Es gibt wohl keine einzelne Definition, die mir ausreichen würde, ich glaube, dass es sich um ein sich bedingendes Wechselspiel der Antworten auf die genannten Fragen handelt. Persönlich ist mein Verhältnis zur bildenden Kunst von Banausentum und Rezeptionsästetik bestimmt: Kunst muss mir gefallen. Während mir vor 10 Jahren die Impressionisten wahnsinnig gut gefallen haben, zieht es mich heute eher zu Expressionisten: Kirchner, Nolde, Miro, Kandinsky … um nur einige zu nennen, andere Expressionisten gefallen mir weniger (Otto Dix). Aber mir gefällt auch spätmittelalterliche Kunst, oder etruskische Goldarbeiten, ebenso wie ich Rothko mag und Gerhard Richter, Beuys dafür weniger. Kunstgeschmack ist wohl letztlich (und muss es sein) subjektiv.

    Die Herausforderung ist deshalb wohl vielmehr zu erkennen, dass jeder Versuch der Einschränkung, was Kunst objektiv ist, fehlgehen wird. Akzeptiert man das, wird man anderen auch ihren subjektiven Kunstgeschmack nicht mehr nehmen wollen.

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