Moderner Schund

16. Mai 2007

Mark Rothko: "White Center (Yellow, Pink and Lavender on Rose)", Auktionspreis: 65 Millionen DollarPhilipp Hertzog: "White Center (Click, Form and Fill on Photo Software)", Erstellungszeit: 5 Minuten

Mark Rothko: “White Center (Yellow, Pink and Lavender on Rose)”, Auktionspreis: 65 Millionen Dollar [links]
Philipp Hertzog: “White Center (Click, Form and Fill on Photo Software)”, Erstellungszeit: 5 Minuten [rechts]

Spätestens seit meinem ersten (und einzigen) Besuch im Centre Pompidou weiß ich: “Moderne Kunst” bedeutet vor allen Dingen: Wichtigtuerische Besucher. Klug dreinblickende Typen, die vor einem an die Wand geklatschten Haufen Dreck stehen und die “Intensität”, die “farbliche Wirkung” und die “unfassbare Spannung” rühmen. Zwei Methoden sind in der “Modernen Kunst” richtungsweisend: Neben der erwähnten (“Exkremente an die Wand werfen und die Verlaufsformen nachzeichnen”) gibt es noch die weniger abstoßende, aber gleichermaßen sinnleere Variante “Striche und Punkte auf Leinwand verteilen, Symbolik einbilden”. Gemeinsam ist den Methoden: Schund für viel Geld an Leute verkaufen, die nicht wissen, wohin mit ihrem Reichtum. Und die damit vor ihren ebenso hohlen Freunden angeben wollen. Neuestes Beispiel: Die aktuellen Versteigerungen dieses Frühjahrs.

Der Vorteil dieser “Kunst” gegenüber, sagen wir, einem Caspar David Friedrich, ist, dass sie fast jeder mit ein bisschen Dreck (Methode 1) oder einem billigen Grafikprogramm (Methode 2) nachempfinden kann. So entstand das Bild oben rechts in kürzester Zeit mit Hilfe von “Markieren: Kasten”, “Füllen (Farbe)”, “Pinsel”, “Verwischen” und “Kontrast:-15″.

Tags: , , , ,

13 Kommentare zu Moderner Schund

  1. _yjv on 16. Mai 2007 at 13:51

    Ob es so einfach ist (“die moderne Kunst”), das wage ich mal zu bezweifeln. Ich lade dich hiermit in die schöne Stadt Kassel zur diesjährigen Documenta. Auch moderne Kunst ist vielschichtig.

  2. _yjv on 16. Mai 2007 at 13:52

    “ein” fehlte noch….

  3. konrad on 19. Mai 2007 at 14:13

    Lieber Philipp,
    also bitte. Nur weil etwas teuer ist, ist es nicht auch gleich schlecht. Auch wenn manche Sachen die billig sind, auch nicht schlecht sein müssen…
    kg

  4. PH on 19. Mai 2007 at 14:47

    Niemals habe ich gesagt, es sei schlecht, weil es teuer sei. Es ging mir vor allem um die plakative Darstellung der Aberwitzigkeit eines Preises für ein Bild. Nebenbei ging es mir natürlich auch um mein konservatives Kunstverständnis, nachdem Bilder, die ein Zehnjähriger oder auch ein Affe (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Chimpanzee_congo_painting.jpg) ebenfalls malen könnte allein deshalb hochbewertet werden, weil sie von einem bereits berühmten Künstler stammen. Im Besonderen ging es mir um die Darstellung von mir selbst beobachteter Centre-Pompidou-Besucher, die mit gewichtigem Blick sinnleere Phrasen faseln.

  5. konrad on 19. Mai 2007 at 23:40

    Aber Philipp!
    Womit ist denn Rothko berühmt geworden, außer mit seinen Bildern? Irgendwie muss es doch angefangen haben?!
    Und: ist zeitgenössische Kunst deshalb schlecht, weil eine Menge Leute, die sie sich leisten können, doof sind?
    gute Nacht,
    kg

  6. Johannes on 24. Mai 2007 at 17:07

    Lieber Herr Hertzog,
    soviel anti-kunstverstand hätte ich dir nie zugetraut … ;-)
    schau dir mal diese Bilder an
    http://w3.restena.lu/primaire/lamadelaine/trausch/00/MIRO.HTM
    die auch von Kindern nachgemalt wurden.
    Sind die nicht trotzdem toll und was uns miro was sagen wollte
    Grüße aus FR
    JW
    P.S. als entschädigung für mein lehrmeisterhaftes getue können wir ja mal zusammen nach basel fahren und ein wenig moderne kunst ansehen.

  7. PH on 24. Mai 2007 at 18:06

    Die Bilder von den Kindern sind interessant, ja, vor allem aber, weil sie von Kindern sind. Außerdem – wenn ich mal mein bisschen Kunstverstand zusammenkrame ;) – ist Miro ja auch nochmal was anderes als die von mir angeprangerte Simplizität der Kästchen und Striche im Rothko-Beispiel. Und nochmal: Das Bild ist ja nicht unbedingt hässlich, meinetwegen. Aber 65 Millionen Dollar…? Ist das nicht ein Zeichen einer kranken Gesellschaft? Darum ging es mir eigentlich… Können wir also eventuell von der kunsthistorischen zur polito-soziologischen Diskussion übergehen (da fühle ich mich auch mehr zuhause)?

  8. Simon on 13. Juni 2007 at 01:04

    Grüss Dich Philipp,
    Du scheinst zwar schon ziemlich allein mit Deiner Aesthetikkonzeption, wenn man die bisherigen Kommentare so liest, aber ich will trotzdem nochmal mit unpraezidentierter Wucht in die Bresche schlagen: also ich sehe wirklich nicht ganz, wo das Problem ist. Moderne Kunst ist vielleicht manchmal angenehm abstossend, aber wohl doch genau das Gegenteil von sinnleer! Was hat die Kunst denn früher ausgesagt? Ungefähr so viel wie heute ein Photo. Oder aber sie wurde für repräsentative Zwecke genutzt. Erst heute thematisiert die Kunst so ziemlich alle sozialen Fragen und Probleme, vom Alltag bis zur echten Krise, die man sich nur vorstellen kann.
    Und, ja!, auch Farbe, Form und Proportion wurden infrage gestellt und zum Thema der Kunst. Deine Verurteilung klingt so, als ob Du das nicht verstanden hättest – was ja gar niemand verlangt! Aber Du erhebst es ungerechtfertigterweise zur allgemeinen Sichtweise.
    Sogar sich selbst thematisiert die Kunst heutzutage nicht selten, und durchaus auf kristische Weise. Solche Pauschalverurteilungen wie jene, deren Du dich hier ja: zugegeben! auf nicht ganz unamüsante Weise erdreistest, scheinen mir auf erschreckende Weise unreflektiert. Und von der ästhetischen Diskussion einmal abgesehen, musst Du doch eingestehen, dass es krassere Probleme und Ungerechtigkeiten auf der Welt gibt, als die Tatsache, dass manche Leute viel Geld für Kunst ausgeben. Gott sei Dank gibt es ihn noch, den Mäzen! (Wobei ich nicht weiss, ob das dem Herrn Gott vergolten werden muss.)
    Kunst kann die Welt verändern. Sie tut es nicht immer, aber vielleicht mindestens so häufig wie die Wissenschaft. Wissenschaft und Kunst sollten sich nicht als Kontrahenten betrachten. Dafür haben sie zuviel gemeinsam. Kunst kann eine Wissenschaft sein, die Wissenschaft eine Kunst. Beiden gemein ist die Existenzbedingung und die Forderung der Freiheit. Es ist meines Erachtens immerhin kein Zufall, dass jene Freiheit, deren sie beide bedürfen, im gleichen Artikel unseres Grundgesetzes garantiert wird. In conclusione: Dies ist wohl keiner Deiner besseren Beiträge… Aber naja, wir sind ja alle noch jung… Viva el arte!

  9. PH on 13. Juni 2007 at 01:22

    Danke, Simon, für Dein interessantes Ko-Referat. Ich werde jetzt kein Ko-Ko-Referat halten, nur vielleicht eine Klarstellung, was vielleicht noch nicht klar genug war (obwohl schon mehrfach betont): Mein Text richtet sich nicht so sehr gegen Rothko & Co. sondern gegen den Preis und gegen die Kunstwichtigtuer in unseren Museen. Du sagst – zu Recht wohl – ich hätte es nicht verstanden. Von den meisten dieser genannten Wichtigtuer behaupte ich jedoch das gleiche.

    Zu Deiner Anmerkung über “frühere Kunst” und Fotos: Ja. Und? Genauso wie Du Dir erlaubst, das als minder kreativ zumindest anzudeuten kritisiere ich die m.E. Sinnleere vieler moderner “Kunst”werke. Ich finde jedenfalls die Kunst, die Wirklichkeit gemalt oder fotographiert abzubilden, ergiebig genug und sehr viel interessanter. Das Entdecken eines Motivs, die Wahl von Ausschnitt und Farbe etc. sowie ggf. Verfremdungen gehen wohl auch als künstlerische Betätigung durch.

    In conclusione: Ich muss endlich mal wieder etwas neues schreiben, damit dieser geschmähte Beitrag nicht mehr ganz oben steht…

  10. Christiane on 13. Juni 2007 at 11:00

    Na, da haben sich ja zwei Prokrastiker nachts um halb zwei im Internet gefunden…

    Wenn ich auch noch etwas beisteuern darf: ich habe verstanden, dass Du eher die Kommerzialisierung der Kunst als die Kunst selbst anprangerst, nur trifft das nicht nur auf Moderne, sondern auf alle Kunst zu. Bilder von Rembrandt &Co. werden vermutlich zu noch höheren Preisen gehandelt, als Rothko.

    Und die zugegebenermaßen nervigen selbsternannten Kunstexperten (wir denken da wohl an den gleichen Wichtigtuer, Centre Pompidou, 3.3.07) sind bei abstrakter Kunst einfach noch unerträglicher, weil diese noch viel mehr Interpretationsspielraum lässt, den sie dann in geschwollenen Vorträgen für sich beanspruchen. Dabei geht es wirklich hauptsächlich um Selbstdarstellung, und die Kunst verschwindet dahinter, da stimme ich Dir zu.

  11. JW on 14. Juni 2007 at 12:42

    @christiane,
    ich hätte es nicht besser sagen können
    Gruß Johannes

  12. PH on 21. Juni 2007 at 00:32

    “Es ist allerdings ein Problem, gerade in Deutschland, dass Kritik an moderner Kunst tabuisiert wird. Man steht als reaktionär da. Dadurch wird die Lücke zwischen Publikum und Kunst immer größer.”
    http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/386853

  13. [...] der Seite übertragen – zu lesen mit der gebotenen historischen Distanz, versteht sich: “Moderner Schund” (Mai 2007) Ähnliche Beiträge → Moderner Schund → Und das ist auch gut so! [...]

Neue Fotos

Beliebt