Brighte √Ėffentlichkeit

9. Februar 2011

Viel zu oft hei√üt es in Rezensionen wissenschaftlicher Neuerscheinungen, das Buch sei sowohl f√ľr das Fachpublikum als auch f√ľr “die breite √Ėffentlichkeit” empfehlenswert. Oder eben nicht: “Die breite √Ėffentlichkeit wird mit dieser sehr akribischen Untersuchung wenig anfangen k√∂nnen”. Wer ist aber diese breite √Ėffentlichkeit, gibt es auch eine schmale, schlanke, d√ľnne, gar eine magers√ľchtige √Ėffentlichkeit? Und warum muss sich diese breite (fette, √ľbergewichtige) √Ėffentlichkeit immer f√ľr alles und jeden interessieren, das banal genug ist, f√ľr alle und jeden interessant zu sein?

Ein √ľberm√§√üig popul√§rer volksdeutscher Statistiker und Immigrationsgegner erkl√§rte k√ľrzlich in der BBC: “The brightest people get the fewest children”. Seine zweifelhafte Aussprache lie√ü nicht nur Zweifel an seiner eigenen brightheight zu, sie lie√ü auch spontan “breit” verstehen. Ze breitest piepel get ze fiuest tschiltren. Damit k√∂nnte er sich sofort bei der Deutschen Bahn bewerben. Vermutlich geh√∂rten diejenigen Briten, die eine Stunde lang “World have your say” im Radio h√∂ren, bislang nicht zu den vorurteilsreichsten gegen√ľber Deutschland. Mister Sarrazin d√ľrfte, in Wort und Aussprache, einigen Stoff gelieferten haben, diesen unverdienten Zustand zu korrigieren.

Nun bekommen ja die deutschen Akademikerinnen (und erst die Akademiker!) bekanntlich zu wenige Kinder. Und die internationale Sprache der Wissenschaft ist ja bekanntlich schlechtes Englisch (was man wohl nicht allein den zahlreichen Forschungsreisen mit der Deutschen Bahn anlasten kann). Willkommen in der Wissenschaft, willkommen in der brighten √Ėffentlichkeit. Sind wir also alle ein bisschen Sarrazin? Dann doch lieber auswandern! Wir brauchen eine neue Lesart des Sarrazin-Buches: Ein Pamphlet f√ľr die Auswanderung aus Deutschland!

Indes, um es bright und breitenfeindlich zu formulieren: Eine Kl√§rung, ob dies sui generis eine valide These ist, deren Rezeption von der breiten √Ėffentlichkeit affirmativ zu nennen sein wird, bleibt einstweilen ein Desiderat.

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Ein Kommentar zu Brighte √Ėffentlichkeit

  1. Oliver A on 13. Februar 2011 at 14:36

    Vielleicht ist es viel einfacher: Wenn die √Ėffentlichkeit “breit” ist, also entweder besoffen oder bekifft, kann sie das ver√∂ffentlichte Werk trotzdem verstehen. Ob das wiederum f√ľr oder doch eher gegen das Werk spricht, sei dahingestellt.

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