Papst dankt ab

28. Februar 2013

Verfasst fĂĽr die erste Lesung der Frankfurter Oulipo-Werkstatt:
Monovokalismus auf a – nach einer wahren Begebenheit

Die eingerĂĽckten Zeilen sind als gregorianischer Gesang zu lesen.

Am Anfang war Vakanz:
Dann war Wahl.
Abt Ratz ward ratzfatz Papst.
Samstag gab’s Andrang am Platz.
Passant an Passant am Palast.

Papst sprach:

Als Adam am Start,
sah Abrahams Bart,
gab’s Manna satt,
Psalm sang man zart.

Lang danach:

Was sah Magdala am Grab?

Papstplan war stramm:
Traf Saddam, Abbas, Assad, Arafat – am Ararat.
Ab da: Talfahrt.
Schandtat prangt am Talar.
Staatsanwaltschaft straft, was Altar-Macht mag.

Papst sagt:

Hab’s satt,
Santa Barbara,
ab nach Ankara,
Allah akbar.

Papst macht Kaaba-Wallfahrt.
Sprach gar Mantras – am Sabbat.
Dann war klar: Da war was falsch.

Papst fragt Arzt.
Facharzt sagt: ballaballa.
Alt, schwach, krank. Mal mal Mandalas!
Papst hat Angst, fragt Zahnarzt.
Zahnarzt sagt: sag mal Aaaaa!

Aaaaa!

Aha. Amalgam brach ab.

Was macht man da?

Arzt hat apart Apparat parat.
Acht Karat,
Papst zahlt bar.

Papst dankt ab.
Lacht, zaghaft, dann standhaft
Abfahrt Strandbad,
Papst tanzt Gangnam.

Ab nach Madagaskar,
Katamaran am Panamakanal,
Hasta la vista!

Tja, das war’s dann:
Papst schafft Papst ab.

Schland war Papst.

 
 
© Philipp Hertzog

Wie der Leiter der Oulipo-Werkstatt, Germanist Prof. Dr. Heiner Boehncke, vor Ort in der Romanfabrik erläuterte, gehört der punktuelle Regelbruch ebenso zu Oulipo wie die ansonsten strikte Anwendung einer selbst auferlegten Regel (hier: a als einziger Vokal). Eine mögliche Schusseligkeit des Autors wird so, dank der literaturwissenschaftlichen Analyse, zum besonderen genialischen Moment eines Oulipo-Textes.

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Ein Kommentar zu Papst dankt ab

  1. Det on 1. März 2013 at 17:39

    Aha – das war das am Aband latztan Danstag… Jatzt waĂź ach as alsa!!

    Chaaraa,

    Datlav

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